Ob bei der Wahrsagerin im Märchen, der guten Hexe im Film oder bei den zahlreichen Zaubergefährten von Harry Potter: Nirgendwo darf die Kristallkugel fehlen, die als traditionelles Werkzeug der Weisen dieser Welt gilt und in der man die Zukunft sehen kann. In den alten Gesellschaften war es ein erfolgreicher Brauch, sich durch den starren Blick auf glänzende Gegenstände, auf Wasser oder in das Licht in Trance zu versetzen. Dieses hervorragend funktionierende Verfahren entwickelte sich weiter, als man begann, Kristall zu beschleifen, sodass Kugeln entstehen konnten.
Für seine hervorragende Leitfähigkeit für feinstoffliche Energie bekannt, benutzte man danach dieses kostbare Material immer dann, wenn ein Blick ins Schicksal nötig wurde. Als lange danach das erste Glas es möglich machte, weitaus größere Kugeln herzustellen, erfuhr das Hilfsmittel der Seherinnen und Magier plötzlich eine Hochkonjunktur. Entsprechend einer Brille, die man bei Kurz- oder Weitsichtigkeit aufsetzt, um die Sehfähigkeit wiederherzustellen, unterstützt die Kristallkugel die ohnehin enorme Fähigkeit der energetisch Begabten, atmosphärische Strömungen aufzufangen und zu interpretieren.
Wie im Spiegel eines glatten Sees erblicken sie tief im Inneren der Kugel Szenen, die mit dem Ratsuchenden und seinen unbewussten Kräften zu tun haben. Zuweilen verändern Kristallkugeln in der Hand ihrer Besitzer sogar Farbe oder Struktur (sie werden trüb oder hellen sich auf), wenn besondere Ereignisse ihre Schatten voraus werfen. Es sind auch Fälle überliefert, in denen Kristall wegen seiner lebendigen Beschaffenheit sogar sprang, wenn seinem Eigentümer etwas zuleide getan wurde.