Das zweite Wasserzeichen, Skorpion, ist der Mittler zwischen dem Krebs mit seinem höchstpersönlichen Umgang mit Gefühlen und den Fischen, die einen eher unpersönlichen Zugang zu allen Empfindungen der Menschheit haben.
Natürlich steht auch beim fixen Zeichen Skorpion das Gespürte im Mittelpunkt - die Menschen mit diesem Sonnenstand haben eine hohe Ethik (die nichts mit billiger Moral zu tun hat, sondern sich auf die tiefsten und undiskutierbaren Werte der fühlenden Wesen bezieht). Außerdem ist ein Hang zu jeder existenziellen Grunderfahrung erkennbar (sie besitzen einen starken Bezug zu Geburt und Tod) und eine sehr große Fähigkeit, sich von dem zu distanzieren, was um sie herum vorgeht, um sich zu schützen. Nach außen wirkt der Skorpion oft härter als er ist. Denn als Wasserzeichen kann er sein Herz und seinen weitgehenden Kontakt zum Seelenleben nicht verleugnen.
Dennoch verfängt er sich oft in seinem Drang, sich selbst und die Welt in Konzepte und Systeme zu verpacken, solange er sich noch nicht wirklich mit den Vorgängen und Gesetzen des Universums auseinandergesetzt hat. Darum sagt man, dass unreife Skorpione manchmal wirken wie Löwen, die noch eigensinnig, trotzig und arrogant erscheinen, solange sie sich auf sich selbst konzentrieren. Skorpione allerdings sind weitaus zurückhaltender, wenn ihnen etwas nicht passt. Wer aber einmal den beißenden Sarkasmus eines verletzten Vertreters dieses Zeichen zu spüren bekommen hat, wird diese Erfahrung so schnell nicht vergessen.
Was der Skorpion in diesem Leben lernen muss, ist vor allem das Loslassen - von Vorstellungen (davon tummeln sich meist in jeder Hinsicht so viele in seinem Kopf wie Wolken am Himmel), von Besitz (den er wie sein Gegenzeichen der Stier auch zuweilen sammelt) und von dem geheimen Gefühl seiner eigenen Wichtigkeit. Wenn dieses Tierkreiszeichen erst einmal den Schritt gemacht hat, seine - vor ihm selbst versteckten - Tendenzen aufzudecken, sich in den Mittelpunkt der Welt zustellen und am liebsten die geheime graue Eminenz innerhalb seines Umfelds zu spielen, dann ist viel gewonnen. Und der Weg hin zu einer harmonischen Persönlichkeit wird sichtbar.
Bis Skorpione allerdings im Einklang mit ihrem Dasein leben, vergeht oft viel Zeit und erst in der zweiten Lebenshälfte erkennen sie, dass es manchmal sehr schön sein kann, einfach nur glücklich und zufrieden zu sein. Bis dahin gibt es immer einen Plan, den man zu verwirklichen hat - und zwar mit dem beträchtlichen Willen und der sprichwörtlichen Verbissenheit, die den Skorpionen nun mal eigen ist. Oft macht dieses Zeichen während seines genügsamen Lebens (es benötigt in der Not als einziges im Tierkreis so wenig für andere Überlebensnotwendiges wie sonst nur Asketen) ungewöhnlich zahlreiche Grenzerfahrungen, die ihn mit den tiefsten Bereichen des Lebens und des Sterbens in Kontakt bringt. Seine Fähigkeit, wie Phoenix aus der Asche aus unzähligen, stillen Lebenskrisen hervorzugehen, ist Legende. Wegen dieser Erfahrung ist er der beste Psychologe, der andere am Schatz seiner reichhaltigen Entwicklungen teilhaben lassen kann.
Für die meisten Skorpione sind übrigens Geheimnisse jeder Art die größte Verlockung - sie rasten und ruhen nicht, bis auch die letzte Unklarheit in Beziehungen, Arbeitsverhältnissen oder anderen Zusammenhängen geklärt ist. Das liegt daran, dass ihr Planetenherrscher Pluto ihnen das Talent dazu mitgibt, Konzepte des Wirklichen klar und deutlich zu erfassen und zu vermitteln.
Skorpionkinder müssen manchmal aus einer gewissen Missmutigkeit herausgeholt werden, sie brauchen aber viel Zeit für sich und immer eine gewisse Ruhe, um all die emotionalen Eindrücke, die sie aufsaugen, auch zu verarbeiten.
Wann immer sie in Machtprobleme mit anderen geraten, ist es wichtig, sie auf ihre ethische Verantwortung hinzuweisen: Wenn sie einmal Opfer gewesen sind, können sie sich gut in andere hineinversetzen, die sie nun selbst zu Opfern zu machen versuchen. Ohnmachtsgefühle sind überhaupt oft der Grund für gesundheitliche Schwächen.
Der Skorpion hat manchmal genetisch begründete Probleme, Erbkrankheiten oder zieht sich Infektionen der Geschlechtsorgane oder versteckte Störungen zu. Bei all dem gilt es herauszufinden, ob er sich in einem unsichtbaren Machtkonflikt befindet - wenn der aufgelöst wird, ist der wichtigste Schritt zu Besserung getan.