Der Steinbock ist als letztes Erdzeichen des Tierkreises der Verwalter der Materie und der Maßstäbe. Als ernsthafter Zeitgenosse fühlt er sich früh zu Größerem bestimmt als einer Arbeit in untergeordneter Position. Er will immer an die Spitze des Berges, wo er allein schalten und walten kann. Beruf ist für ihn Berufung, denn die Schwere seiner eigenen Wichtigkeit drückt ihn schon in seiner Jugend. Steinböcke wissen, dass sie die Manager des Universums sind, die mit harter Arbeit (dazu gehört ihr angeborener Sinn für jede Art von Disziplin) alle Widerstände überwinden. Was diesem Sonnenzeichen nicht wehtut, das ist nichts wert - deshalb benötigen diese Menschen geradezu Blockaden und Hürden auf ihrem Weg, die sie überklettern, damit danach das Gefühl des Erfolgs doppelt groß ist.
Als Industriebosse findet man das kardinale Erdzeichen genauso wie als Chef der Kleingartenkolonie - in Hierarchien, die durchstrukturiert sind und eigene Entscheidungen verlangen, kommt es besonders gut zur Geltung. Dabei sind die Steinböcke Freunde der einsamen Entschlüsse: Wortkarg, zurückgezogen und immer demonstrativ besorgt um irgendeine neue Schwierigkeit am Wegesrande, sagt man ihnen nach, dass für sie das Sprichwort vom Ernst des Lebens erfunden wurde. Als Kinder wirken sie älter als sie sind und entdecken erst spät die Freuden eines gelockerten Lebensstils.
Steinböcke sind die rechtmäßigen Erben der biblischen Väter, die sämtliche Gesetzestafeln aus der Hand Gottes empfingen. Alles, was mit Regeln zu tun hat, beherrschen sie von Natur aus, denn ihre Aufgabe auf der Erde ist es, die Ordnungen des Lebens zu strukturieren und Organisieren - und das fängt manchmal schon bei einer anständigen Buchhaltung an. Herren über sich ertragen sie nur mürrisch und äußerst ungern und sind sich - sobald sie in den höheren Etagen etabliert werden - ihrer Verantwortung für das Ganze absolut bewusst.
Niemand trägt seine eigene Entscheidungsbefugnis besser als ein bewusster Steinbock - und auch wenn ihm das Leben manchmal etwas starr und verknöchert vorkommt, liebt er die klaren Regeln. Denn ohne die würde die Emotionalität seines Gegenzeichens Krebs die Welt überwuchern und - nach Meinung des Steinbocks - die Gesellschaft in Schutt und Asche legen. Womit er vielleicht gar nicht mal so unrecht hat. Darum sind Steinböcke auch gute Richter oder Anwälte oder Moralphilosophen. Als erstes der transpersonalen Zeichen haben sie einen überstarken Bezug zu dem, was gesellschaftlich wichtig oder unwichtig ist und ein äußerst feines Gespür dafür, wieso das Universum ohne Prinzipien nicht auskommt.
Kleine Steinböcke muss man manchmal ein bisschen vor ihrer eigenen Ernsthaftigkeit und dem übertriebenen Verantwortungsgefühl für Familie und Geschwister beschützen. Denn auch für sie ist es bedeutsam, Kind sein zu dürfen und sich ab und zu mal gehen zu lassen. Wenn Steinböcke, die Phasen der Depression als ganz normalen Zustand kennen, weil ihnen Frohsinn um des Frohsinns Willen einfach nicht liegt, zu hart und unbeugsam werden und als Prinzipienreiter zu enden drohen, setzt ihr Körper oft ein Signal, dass hier eine Änderung der Haltung vonnöten sind. Schwächen körperlicher Art sind nämlich im Rückgrat zu finden, in den Knien oder den Knochen an sich. Wenn sich hier Störungen breit machen, weiß der Steinbock, dass es an der Zeit ist, die positive Seite von Saturn, dem Zeichenherrscher, etwas mehr auszuleben, die in einem gebührenden Ernst besteht - aber nie zum Eis einer unbeugsamen Haltung erstarren darf.
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