Wahrsagerinnen haben nicht nur im Leben vieler Menschen von jeher eine entscheidende Rolle gespielt, sondern auch Literatur oder andere Kunstrichtungen mit ihren ungewöhnlichen Möglichkeiten beflügelt. Selbst in der Kriminologie gab es immer Seherinnen, die man bei besonders verzwickten Fällen (oft, wenn Personen vermisst wurden) um Rat und Hilfe bat. Ursprünglich wurden die weisen Frauen gern durch eine Zugehörigkeit zum fahrenden Volk charakterisiert - aber durchaus nicht alle waren sogenannte "Zigeunerinnen". In jeder Kultur existierten besonders begabte weibliche Medien, die in Lebenskrisen Kanäle des Feinstofflichen nutzten, welche nicht jedem Normalsterblichen zugänglich waren. Man nannte sie manchmal Hexen oder Kräuterweiber, aber auch Frauen aus dem Stand der Hebammen schrieb man vielfach außergewöhnliche Fähigkeiten zu. Im deutschsprachigen Bereich wurde zum Beispiel die als "Pythia vom Rhein" bekannt gewordene, inzwischen verstorbene Madame Buchela, zu einem stehenden Begriff. sie unterstützte selbst die bekanntesten Politiker in allen Lebenslagen und Staatsfragen. Nicht selten vererbt sich die Gabe der Hellsicht oder Hellfühligkeit über Generationen im weiblichen Zweig bestimmter Familien. Und auch wenn sich manche der Trägerinnen dieses merkwürdigen Talents manchmal Jahre dagegen wehrten, "die Gabe" auch für andere zum Einsatz zu bringen, kam es immer wieder vor, dass sich das Sehen durchsetzte und ins Leben gebracht werden wollte. Heute hat die Wahrsagerin mit dem alten Klischee der krummnasigen Frau mit dem Raben auf der Schulter und der Kristallkugel im Schoß nicht das Geringste mehr zu tun. Moderne Vertreterinnen ihrer Zunft leben zwar so gut wie immer ein sehr selbstbestimmtes, freies Leben und lassen sich selten in eine Schublade einordnen. Ihnen allen gemeinsam ist aber eine tiefgehende Liebe zu den Menschen, denen sie mit ihrem Geschenk des Universums helfen wollen. Eine Wahrsagerin zu besuchen, bedeutet, sich auf den Kosmos einzulassen und mit dessen Botschafterin ein respektvolles Vertrauensverhältnis einzugehen.